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Jakob Nolte

Eine rasante Intellektuellen-Untergangskomödie mit rauschender Grandezza – KINDER DER SONNE am Berliner Ensemble

KINDER DER SONNE von Jakob Nolte am Berliner Ensemble von Laura Linnenbaum uraufgeführt. Familie Fürst hat sich eingerichtet in dem, was sie seit Generationen kennt: Ein großes Haus, viele Gäste, die erhaben intellektuelle Einordnung des Zeitgeschehens. Doch während die Fürsts das Gerüst noch selbstbewusst aufrecht halten, bröckeln längst schon ihre Fundamente. Das Prekariat macht auch vor den Denkern nicht Halt. Aber die wollen es in ihrer Hybris nicht wahrhaben.

Szenenfoto „Kinder der Sonne“: Eine Frau in weißem Spitzenkleid steht im Fokus einer dunklen Bühne mit Glitzerboden. Im Hintergrund ein langer schwarzer Tisch, weiße Stühle und eine sitzende Frau in Schwarz. © Gianmarco Bresadola

Auch wenn die Sonne längst erloschen ist, wird immer noch gelacht. Jakob Nolte hat aus Gorkis „Kindern der Sonne“ eine hinreißend schwarze Komödie gemacht, die mit Witz und minimalistischer Sprachkunst fast alle in den Abgrund reißt.

Im 21. Jahrhundert ist der Akademikerhaushalt der Familie Fürst nicht nur arbeitslos, sondern bald auch wohnungslos. Ihr Haus soll meistbietend verkauft werden. Dem baldigen Verlust ihrer Privilegien begegnen sie mit stoischem Stolz. Kurz halten alle Figuren noch einmal fest an dem, was bald schon Vergangenheit ist. Aber lange ist der Zustand nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Tore stehen längst weit offen. Es erobern die das gute Leben, die nicht Gedanken, sondern Geld zu geben haben.

„Im Grunde ist Noltes ‚Kinder der Sonne‘ eine Sitcom“, schreibt Nachtkritik über die rasant amüsante Uraufführung am Berliner Ensemble. Und hat damit völlig recht. Nolte hat die Türenklappkomödie ins Jetzt geholt und daraus die existenziellste Sitcom gemacht, die das Genre sich jemals hätte erträumen lassen. Während mit komödiantischer Verve geschwärmt, geliebt, begehrt, betrauert und intrigiert wird, diskutieren alle diese strauchelnden Figuren fortwährend und immerzu die großen Fragen des Lebens - so fachsimpelnd, so entlarvend, so absurd erhellend und so bitter komisch, dass selbst die herannahende Dunkelheit das Lachen nicht gleich zum Verschwinden bringen kann.

Kinder der Sonne
von Jakob Nolte nach Maxim Gorki
Uraufführung
Regie: Laura Linnenbaum, Bühne: Daniel Roskamp, Kostüme: Michaela Kratzer, Musik: David Kosel, Licht: Mario Seeger, Dramaturgie: Amely Joana Haag.
Mit: Marc Oliver Schulze, Pauline Knof, Lili Epply, Maeve Metelka, Bettina Hoppe, Jannik Mühlenweg, Sebastian Zimmler, Maximilian Diehle, Oliver Kraushaar.
Premiere am 21. Februar 2026

 

Ein beleuchteter Schaukasten zeigt das Theaterplakat „Kinder der Sonne“ im Neuen Haus. Davor steht ein Kundenstopper mit einem gelben Pfeil, der nach rechts oben Richtung „Neues Haus Werkraum“ weist.
Düstere Bühnenszene aus „Kinder der Sonne“: Mehrere Personen agieren zwischen schwarzen Glitzersäulen. Mittig winkt ein Mann in Pelzjacke, rechts eine schreiende Frau, im Vordergrund ein Mann mit Brille.
© Gianmarco Bresadola

Jakob Nolte

Jakob Nolte, geboren 1988, ist ein deutscher Theater- und Romanautor. Seine Texte wurden mehrfach gekürt und übersetzt. 2021 erschien sein dritter Roman Kurzes Buch über Tobias beim Suhrkamp Verlag. 2022 kam am Deutschen Theater Berlin seine Übersetzung von Shakespeares Der Sturm zur Uraufführung. Gemeinsam mit Leif Randt kuratiert er das Content Label Tegel Media. Er kommt aus Barsinghausen und lebt in Berlin.

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